Schlafstörungen

Wissenswertes zum Thema Schlaf, zur Entwicklung und den Kennzeichen von Schlafstörungen und Schlafproblemen, den verschiedenen Arten von Schlafstörungen sowie zur psychotherapeutischen Behandlung von Schlafstörungen.

 

Informationen über Schlaf

Schlaf ist für den Menschen lebensnotwendig. Im Schnitt schlafen wir ca. ein Drittel des Tages, wobei sich Schlafbedarf, Schlafdauer und auch der Zeitpunkt des Schlafes im Laufe der Lebenspanne auf natürliche Art und Weise verändern. Auch unterscheidet sich der Schlafbedarf von Mensch zu Mensch teilweise erheblich, wobei bei die meisten gesunden Menschen ca. sechs bis acht Stunden Schlaf benötigen, um sich ausgeruht zu fühlen. Das natürliche Schlafbedürfnis kann zwischen fünf und neun Stunden pro Nacht betragen.

Schlaf dient vor allem der Erholung und der Wiederherstellung der Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit. Während des Schlafens finden zahlreiche wichtige körperliche und hormonelle Prozesse statt, die u. a. für die Zellbildung, Energiebereitstellung und das Immunsystem von Bedeutung sind.

Der Schlaf verläuft natürlicherweise in unterschiedlichen Stadien oder Rhythmen. Nach dem Einschlafen werden die Stadien Leichtschlaf, stabiler Schlaf, Tiefschlaf und REM-Schlaf (Traumschlaf) voneinander unterschieden. Der zeitliche Anteil der unterschiedlichen Schlafstadien während einer Nacht verändert sich im Verlauf des Lebens. Die Anteile des Tiefschlafs und des Traumschlafs nehmen mit zunehmendem Lebensalter ab, während die Zahl der Wachphasen in einer Nacht über die Lebensspanne zunimmt und der Mensch anfälliger für das Auftreten von Schlafstörungen wird.

Wie entsteht eine Schlafstörung?

Viele Menschen haben Schlafprobleme und erleben ihren Schlaf zeitweise als unzureichend und wenig erholsam und haben zeitweise Ein- oder Durchschlafstörungen. Zudem können aktuelle Ereignisse und Stress den Schlaf negativ beeinflussen. Das heutige vernetze Leben, die ständige Erreichbarkeit und der Konsum sozialer Medien können den Nachtschlaf ebenfalls beeinträchtigen. Einen Krankheitswert haben Schlafstörungen dann, wenn eine ungenügende Dauer oder Qualität des Schlafes über einen längeren Zeitraum bestehen und die betroffene Person spürbar unter dem schlechten Schlaf oder Schlaflosigkeit leidet.

Schlafstörungen sind ernstzunehmende Erkrankungen und treten häufig in Verbindung mit psychischer Belastung und Stress auf. Es gibt aber auch Schlafstörungen, die durch körperliche Faktoren bedingt sind, wie z. B. das Schlaf-Apnoe-Syndrom. Frauen, ältere Menschen und Personen mit einer psychischen Erkrankung sind besonders häufig betroffen. Ein weiterer begünstigender Faktor für das Auftreten einer Schlafstörung ist z. B. das Arbeiten im Schichtsystem.

Welche Arten von Schlafstörungen gibt es?

Schlafstörungen werden auch als Insomnien (Latein Insomnia = Schlaflosigkeit) bezeichnet und werden unterteilt in sogenannte organisch bedingte Schlafstörungen und nichtorganische Schlafstörungen.

Organische Schlafstörungen

Organisch bedingt bedeutet, dass es einen körperlichen Auslöser oder Erkrankungen gibt, die in Zusammenhang mit der der Entwicklung der Schlafstörung stehen (z. B. Schilddrüsenstörungen, neurologische Erkrankungen wie das Schlaf-Apnoe Syndrom, Herz-Kreislauf-Erkrankungen). Schlafstörungen können auch ohne organischen Auslöser als eigenständige psychische Störung/Erkrankung oder als Begleiterscheinungen von anderen psychischen Erkrankungen (z. B. Depression oder Angststörungen) auftreten.

Nichtorganische Schlafstörungen

Die Hauptbeschwerden von nichtorganischen Schlafstörungen sind Einschlafstörungen, Durchschlafstörungen oder ein viel zu frühes Erwachen in den Morgenstunden. Auch wird häufig eine schlechte Schlafqualität ohne erholsamen Effekt berichtet. Betroffene brauchen mitunter Stunden um einzuschlafen oder liegen nachts lange wach, was von vielen als quälend und erschöpfend empfunden wird. Häufig treten Schlafstörungen mehrfach die Woche auf und schon tagsüber empfinden viele Betroffene eine Angst vor der Schlaflosigkeit. Wenn Betroffene nicht schlafen können, findet vielfach ein anhaltendes Grübeln über die Schlaflosigkeit und eine Auseinandersetzung über mögliche Folgen des unzureichenden Schlafes statt. Viele haben Angst, den kommenden Tag mit anstehenden Herausforderungen nicht bewältigen und ihr übliches Leistungsniveau nicht abrufen zu können. Betroffene von Schlafstörungen fühlen sich mitunter durch den Schlafmangel auch tagsüber erschöpft, was den Alltag erheblich beeinträchtigen kann. Eigenständige Bewältigungsversuche mit Hilfe von Schlafmitteln oder Alkohol- oder Drogen sind kontraproduktiv und haben meist eine aufrechterhaltende Wirkung auf die Schlafstörung.


Wie können Angehörige Betroffenen von Schlafstörungen helfen?

Angehörige von Betroffenen von Schlafstörungen möchten häufig gerne dabei helfen, dass die betroffene Person wieder Erholung und Ruhe finden kann. Es ist wichtig, Verständnis für die Situation der betroffenen Person zu zeigen und sie bei langanhaltenden Schlafproblemen und Schlafstörungen dabei zu unterstützen, eine passende Behandlung zu finden.

Behandlung von Schlafstörungen

Es gibt psychotherapeutische und medikamentöse Ansätze zur Behandlung von Schlafstörungen. Bei Schlafstörungen sollte laut Empfehlungen von Expertengremien und Fachgesellschaften, wie z. B. der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF), eine kognitive Verhaltenstherapie als erste Behandlungsoption durchgeführt werden. Als Behandlungsalternative kann auch eine medikamentöse Behandlung erwogen werden, wobei diese Schlafmittel von Fachgesellschaften aufgrund von Risiken und Nebenwirkungen nur eingeschränkt und nur für die Kurzzeitbehandlung empfohlen werden.

Der Ablauf einer Psychotherapie bei Schlafstörungen

Das Ziel der Psychotherapie von Schlafstörungen ist es, ohne Anwendung von ärztlich verschriebenen Schlafmitteln, die Ursachen und aufrechterhaltenden Faktoren der Schlafstörung zu identifizieren und zu verändern.

Schritt 1

Im ersten Schritt wird betroffenen Personen ein umfassendes Grundwissen über den gesunden Schlaf, seine Funktion und seine Entwicklung vermittelt. Es wird genau untersucht, weshalb sich die Schlafstörung entwickelt hat und welche Bedingungen dazu führen, dass sie nicht von selbst wieder verschwindet.

Schritt 2

Im nächsten Schritt werden schlafförderliche Verhaltensweisen erarbeitet und systematisch eingeübt, z. B. mit Hilfe von Schlafhygiene-Regeln und schlafförderlichen Einschlafritualen, um wieder in einen gesunden Schlaf-Rhythmus zu finden. Weiterhin werden individuell Strategien zur Veränderung von ungünstigen, schlafhinderlichen Gedanken und Gefühlen vermittelt. Zudem können Entspannungstechniken vermittelt und eingeübt werden.

Schritt 3

Vor Ende der Therapie werden Strategien zur Rückfallprophylaxe erarbeitet, um sicherzustellen, dass die Effekte der Therapie langanhaltend sind und die Schlaflosigkeit nicht wiederkehrt. Bei ausschließlichen Schlafstörungen reicht häufig schon eine Kurzzeittherapie aus, um anhaltende Effekte zu erreichen. Wenn Schlafstörungen zusätzlich zu anderen psychischen Erkrankungen auftreten, wird die Behandlung in das Behandlungskonzept der jeweiligen Erkrankung sinnvoll mit eingegliedert.


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