Selbstwertprobleme

Wissenswertes zum Thema Selbstwert, Selbstwertproblemen und ihren Ursachen und Auswirkungen sowie zur psychotherapeutischen Behandlung von Selbstwertproblemen.

 

Was ist der Selbstwert?

Der Selbstwert beschreibt den Wert, den eine Person sich selbst beimisst. Im Kern geht es darum, ob und wie zufrieden wir mit uns selbst sind. Personen mit einem stabilen Selbstwert finden sich selbst im Großen und Ganzen in Ordnung und können sich annehmen so wie sie sind, mit allen Ecken und Kanten. Personen mit einem stabilen und positiven Selbstwertgefühl haben meist ein höheres Selbstvertrauen und können sich anderen Personen gegenüber selbstsicher verhalten. Wenn eine Person ein krankhaft erhöhtes Selbstwertgefühl hat, ist es möglich, dass eine narzisstische Persönlichkeitsstörung vorliegt.

Selbstwertprobleme wirken sich stark auf die Gefühle, die Gedanken und das Verhalten von betroffenen Personen aus. So neigen Personen mit einem geringen Selbstwertgefühl dazu sich selbst schlecht zu machen und haben Gedanken wie „ich bin ein Versager“ oder „ich bin weniger wert als andere“. Zudem erleben Betroffene häufig Gefühle wie Scham, Schuld oder Angst. Diese negativen Gedanken und Gefühle über sich selbst können zu ungünstigen Verhaltensmustern führen wie z. B. sich von anderen schlecht behandeln lassen, es anderen immer recht machen zu wollen oder die eigene Meinung zurückzuhalten. Diese Verhaltensweisen beeinträchtigen Betroffene in ihrem Alltag und ihren zwischenmenschlichen Beziehungen häufig spürbar.

Selbstwertprobleme haben einen großen Einfluss auf unsere mentale Gesundheit und können psychische Erkrankungen wie z. B. eine Depression oder Angststörungen begünstigen. Deshalb spielt die Berücksichtigung und Behandlung von Selbstwertproblemen bei der Behandlung vieler psychischer Störungen eine wichtige Rolle.

Wie entstehen Selbstwertprobleme?

Die Entstehung von Selbstwertproblemen wird durch verschiedene Faktoren begünstigt. Wichtige Einflüsse auf den Selbstwert und die Entwicklung von Selbstwertproblemen stellen wichtige Bezugspersonen dar. Die Eltern als meist wichtigste Bezugspersonen haben einen großen Einfluss auf die Entwicklung des Selbstwerts ihrer Kinder. Trotzdem kann man nicht pauschal sagen, dass immer die Eltern an den Selbstwertproblemen ihrer Kinder „schuld“ seien. Erfahrungen mit Freunden, Gleichaltrigen oder Lehrern können ebenso Einfluss auf die Selbstwertentwicklung nehmen. Zusätzlich haben übermäßige Vergleiche mit anderen Personen, besonders wenn diese unvorteilhaft für die betroffene Person ausfallen wie z. B., „die anderen sind hübscher als ich“, einen ungünstigen Einfluss auf das Selbstwertgefühl. Auch der Konsum von sozialen Medien kann sich negativ auf den Selbstwert auswirken, vor allem wenn die betroffene Person ohnehin ein eher geringes Selbstbewusstsein hat. Die Entstehung und Entwicklung von Selbstwertproblemen kann in der Therapie meist gut anhand der Lebensgeschichte der betroffenen Personen nachvollzogen werden.

Welche Arten von Selbstwertproblemen gibt es?

Die Ausprägung von Selbstwertproblemen variiert stark. Ein gering ausgeprägter Selbstwert an sich stellt noch keine psychische Störung dar. Dennoch gehen Selbstwertprobleme häufig mit psychischen Störungen wie z. B. Angststörungen oder Depressionen einher. Auf dem Nährboden eines eher geringen Selbstwerts können sich psychische Erkrankungen leichter entwickeln, weshalb auch der Prävention bzw. Vorbeugung eine wichtige Rolle zukommt.

Ob und und in wie fern bereits eine behandlungsbedürftige psychische Störung vorliegt sollte durch eine:n ausgebildete:n psychologische:n Psychotherapeut:in oder Psychiater:in eingeschätzt werden.  

Wie können Angehörige Betroffenen von Selbstwertproblemen helfen?

Angehörige von Personen mit Selbstwertproblemen fühlen sich häufig überfordert, da sie oftmals nicht nachvollziehen können, weshalb sich die betroffene Person selbst so negativ sieht. Angehörige sollten darauf achten, sich stets unterstützend und wohlwollend zu verhalten. Betroffene profitieren von ehrlichem positivem Feedback. Zudem können Angehörige bei ausgeprägten Selbstwertproblemen betroffene Personen darin unterstützen, eine passende psychotherapeutische Behandlung zu finden.

Behandlung von Selbstwertproblemen

Selbstwertprobleme können abhängig vom Schweregrad im Rahmen einer psychologischen Beratung bzw. eines psychologischen Coachings oder einer Psychotherapie behandelt werden.

Personen mit geringer ausgeprägten Selbstwertproblemen können von einer psychologischen Beratung oder einem Coaching profitieren, indem der Selbstwert gestärkt wird und der Entwicklung einer psychischen Erkrankung vorgebeugt wird. So kann gezielt einem dauerhaft negativen Selbstwert bzw. einer Chronifizierung der Selbstwertprobleme entgegengewirkt werden.

Bei ausgeprägten und stark einschränkenden Selbstwertproblemen oder dem Vorliegen einer zusätzlichen psychischen Störung sollte eine Psychotherapie in Anspruch genommen werden.

Der Ablauf einer Psychotherapie bei Selbstwertproblemen

Das Ziel einer kognitiven Verhaltenstherapie bei Personen mit Selbstwertproblemen ist es, die Ursachen und aufrechterhaltenden Faktoren geringen Selbstwerts auf den Grund zu gehen und diese zu verändern. Möglicherweise zusätzlich vorliegende psychische Störungen werden Rahmen einer Psychotherapie bei Selbstwertproblemen immer berücksichtigt und sinnvoll in die Gesamtbehandlung integriert.

Schritt 1

Im ersten Schritt erfahren betroffene Personen ein umfassendes Grundwissen über den Selbstwert und dessen Entwicklung. Gemeinsam mit dem Therapeuten werden die individuellen Lebenserfahrungen und Umstände herausgearbeitet, die für die Entwicklung des geringen Selbstwerts von Bedeutung waren. Außerdem werden persönliche Selbstwertziele erarbeitet.

Schritt 2

Im nächsten Schritt werden festgefahrene Annahmen der betroffenen Person darüber, was sie glaubt, tun zu „müssen“ um etwas wert zu sein herausgearbeitet und hinterfragt. Betroffene sollen verstehen, was sie selbst dazu beitragen, den negativen Selbstwert aufrechtzuerhalten. Intuitive Versuche eine weitere Selbstabwertung zu vermeiden, wie z. B. es anderen immer recht machen zu wollen, werden kritisch hinterfragt und günstigere Verhaltensweisen werden erarbeitet und erprobt.

Schritt 3

Zum Ende der Psychotherapie werden Strategien zur Rückfallprophylaxe erarbeitet. Betroffene werden darin unterstützt, wie sich langfristig einen positiveren und selbstwertstärkenden Umgang mit sich selbst finden können. Wenn Selbstwertprobleme zusätzlich zu anderen psychischen Erkrankungen auftreten, wird die Behandlung in das Behandlungskonzept der jeweiligen Grunderkrankung sinnvoll integriert.


Sind Sie von Selbstwertproblemen betroffen?

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